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Vater, Sohn und Heiliger Geist: Was soll das mit der „Dreieinigkeit“?

Wikipedia, gemeinfrei

Das Christentum spricht von Gott als „Vater, Sohn und Heiliger Geist“, also als Drei-Einigkeit, als „Trinität“. Gott, so entschieden es die Theologen der frühen Kirche, begegnet den Menschen in dreierlei unterschiedlicher Person, ist dabei aber trotzdem immer derselbe. Wie konnte ein so unförmiger Gedanke entstehen – und wozu ist er gut?

Atheisten mögen über die Frage, ob Gott nun einer oder drei ist, die Köpfe schütteln: Schon der Glaube an einen Gott an sich ist für sie nicht sinnvoll, von einem „dreieinigen“ ganz zu schweigen. Jüdische und muslimische Menschen wiederum finden es unerträglich, sich Gott als mehrere und nicht als „Einer“ vorzustellen. Sie fragen: Ist das Christentum womöglich gar nicht richtig monotheistisch, verehrt also nicht den Einen Gott, sondern betreibt Vielgötterei?

Tatsächlich war die Vorstellung von der Dreieinigkeit (oder Dreifaltigkeit) Gottes auch innerkirchlich ein hart erkämpfter Kompromiss, und es dauerte Jahrhunderte, bis er sich herausgebildet hatte.

Die jüdische Bibel, also das „Alte Testament”, bekennt sich ganz klar zum Monotheismus: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer” (5. Mose 6,4). Daran knüpfte das Christentum an, das ja aus dem Judentum heraus entstanden ist. Die monotheistische Ausrichtung – es ist ein einziger und immer derselbe Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt ist – stand in der frühen Kirche nie breit zur Debatte.

Wenn Gott nur Einer ist - wer oder was war dann Jesus?

Aber wer und was war dann Jesus? Ein neuer Mose, der in der Bergpredigt ein neues Gesetz verkündete? Ein neuer König David, nur größer und bedeutender? Ein von Gott gesandter Prophet wie Jesaja, nur wirkmächtiger? War Jesus ein Mensch mit einem göttlichen Auftrag? Brauchte er dann aber nicht ein göttliches Wissen und göttliche Fähigkeiten, um ihn zu erfüllen? Als was hat Jesus seine Wunder vollbracht? Als Mensch oder Gott? War er vielleicht halb Gott und halb Mensch, ein „göttlicher Mensch”? Aber wenn er göttliche Natur hatte, wie konnte er dann menschlichem Schicksal unterworfen sein und am Kreuz sterben?

Darüber gingen die Ansichten in der jungen Kirche weit auseinander, und es dauerte 400 Jahre, bis ein Kompromiss gefunden war. Im Neuen Testament kommt die Dreieinigkeit Gottes noch nicht vor, jedenfalls nicht in ausgearbeiteter Form. Die Trinität ist also nicht „Wort Gottes”, sondern ein Produkt menschlichen Denkens, das erst nach Abschluss des Bibelkanons entwickelt wurde. Aber es gibt in der Bibel bereits Anhaltspunkte für ein „dreieiniges“ Nebeneinander von Gott-Vater, Sohn und Heiligem Geist. Am bekanntesten ist der so genannte „Taufbefehl” Jesu: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes” (Matthäus 28,19).

Dies scheint schon früh eine Art Formel geworden zu sein, so heißt es auch in einem Segensgruß des Paulus: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!” (2. Korintherbrief 13,13). Dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, wird im Neuen Testament öfter gesagt, und auch vom „Heiligen Geist“ ist an mehreren Stellen die Rede. Aber wie genau verhalten sich diese drei Größen zueinander?

Die Debatten darüber waren auch deshalb so kompliziert, weil das Christentum sich sowohl in hebräisch-aramäischen, griechischen als auch römischen Sprachräumen und Gemeinschaften verbreitete. Umstritten war vor allem das Wesen Jesu Christi: War Jesus nur Mensch, weil er als Gott nicht dem Leiden unterworfen sein kann? Oder war er nur Gott, so dass er nicht wirklich gelitten hat? Oder war er eine Art Halbgott? Oder hatte Gott ihn adoptiert? Und wie stehen Jesus und Heiliger Geist in ihrer göttlichen Qualität Gott gegenüber? Sind sie nachgeordnete Göttlichkeiten? Oder haben sie gar keine eigene Göttlichkeit, die sie von Gott unterscheidet? Oder musste man Jesus und dem Heiligen Geist jede Göttlichkeit absprechen, um Gottes alleinige Göttlichkeit zu wahren?

Das Konzil von Nizäa brachte 381 den Durchbruch

Der entscheidende Durchbruch gelang im Jahr 381 beim Konzil von Nizäa-Konstantinopel. Aus den unterschiedlichen Auffassungen formulierte man einen kühnen Kompromiss in Form eines Glaubensbekenntnisses, das als Meilenstein in der Theologiegeschichte gelten darf: Jesus war „wahrer Mensch und wahrer Gott“ und ist „eines Wesens” mit dem Vater. Das Konzil formulierte ein Glaubensbekenntnis, in dem Christinnen und Christen seither bekräftigen, dass sie an Gott, den Schöpfer, den Vater, UND an Jesus Christus, den Sohn, UND an den Heiligen Geist glauben.

In diesem Glaubensbekenntnis finden sich die westliche Kirche in Rom sowie auch die östlich-orthodoxe Kirche wieder, und auch die Reformation übernahm es später. Der jahrhundertelange Streit um das rechte Verständnis der Gottheit hatte also ein wirklich ökumenisches Bekenntnis zur Frucht, was man in seiner Bedeutung kaum überbewerten kann. Das Bekenntnis zur Trinität ist so auch ein Kriterium zur Unterscheidung von Sekten geworden: Zeugen Jehovas, Mormonen und Universelles Leben zum Beispiel haben es nicht angenommen.

Hinter der „Drei-Einigkeit“ steht als Erfahrung, dass sich Gott in unterschiedlichen Formen zeigt: erstens als liebender Schöpfer, der uns Menschen eine Fülle von Lebensmöglichkeiten geschaffen hat, zweitens als Jesus Christus, in dem Gott den Menschen seinen Willen vorlebt und ihnen begegnet wie ein Mensch dem anderen, und drittens schließlich im Heiligen Geist, der uns innerlich stärkt, auch in schwierigen Situationen. Als Drei-einiger ist Gott umfassend, überall und kontinuierlich sowie über alle Zeit präsent, seine Wirkmächtigkeit unzerstörbar.

Man kann nicht sagen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist alle „derselbe” wären, denn sie wirken ja auf ganz unterschiedliche Weise. Aber es ist eben jedes Mal der Eine Gott, der sich darin zeigt. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind vom selben Wesen, die Drei sind Eins. Und umgekehrt umsorgt uns der Eine dreigestaltig und damit vollkommen.

Vielleicht hilft die Analogie der Aggregatszustände von Wasser

Vielleicht hilft die Analogie der drei Aggregatzustände des Wassers, um sich das vorzustellen: Eis, flüssiges Wasser und Wasserdampf unterscheiden sich ja auch deutlich voneinander, und es ist sinnvoll, sie im Alltag zu unterscheiden. Auf Eis kann man Schlittschuh laufen, mit der Flüssigkeit kann man sich waschen, mit dem Dampf einen Motor betreiben – die drei sind nicht untereinander austauschbar. Aber gleichzeitig sind sie alle H2O, also letztlich Eins, dasselbe, vom selben Wesen.

Die Vorstellung von der Trinität macht also die Allgegenwart und Allmacht Gottes zugänglicher und verhindert dabei gleichzeitig, dass das Göttliche quasi „vermenschlicht“ wird. Jesus ist eben nicht nur ein besonders vorbildlich lebender Mensch wie etwa Mahatma Gandhi, sondern die Bedeutung seines Sterbens und Auferstehens geht darüber hinaus: Es hat die Macht des Bösen und des Todes gebrochen und den Grundstein für eine neue Welt gelegt. Der Heilige Geist ist nicht einfach nur ein durch die Lande waberndes Ideal des Friedens oder der Geschwisterlichkeit, sondern aufgrund seiner göttlichen Qualität auch eine mächtige und von menschlichem Einfluss unabhängige Kraft, die gegen alle Widerstände wirkt. Gott-Vater ist nicht einfach bloß ein „lieber Gott”, mit dem Religion „Spaß machen” soll, wie es Konfirmandeneltern manchmal formulieren, sondern Gott ist auch der Ferne und Fremde, der Zornige und Strafende.


Mit der Formel von der „Dreieinigkeit“ Gottes wollten die frühen Christinnen und Christen die Erfahrung ausdrücken, dass Gott sich in ganz unterschiedlichen und teilweise sogar gegensätzlichen Weisen zeigt. Dass Gott allmächtig (als Schöpfer) und verletzlich (am Kreuz) sein kann.

Vor allem aber, dass Gott menschliche Pläne durchkreuzen kann und gerade kein Instrument menschlicher Interessen ist. Denn nur so kann er die Verheißung erfüllen und Hoffnung der Armen und Entrechteten sein.

Wilfried Steller

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