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Zur Gemeinde gehören mehr als die, die wir kennen

Wer gehört alles zur Gemeinde? Jesus meint: „alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Da gehören wir dazu und viele andere, denn irgend eine Not hat jeder und jede. Es gehören auf jeden Fall nicht nur die dazu, die wir kennen, sondern alle, die des Weges kommen.

Wer gehört denn alles zur Gemeinde hinzu? Die die Tradition wahren? Ja klar! Die gerne singen oder ein Instrument spielen? Freilich! Die organisieren können? Auf jeden Fall! Die Freude am Kochen haben? Auch! Die schon immer Gott im Mittelpunkt ihres Lebens gestellt haben? Ja, auch die! Die etwas Neues erleben wollen? Unbedingt! Die Spaß an der Freude haben wollen? Oh ja! Die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

Und wenn das so dasteht, sind wir natürlich dafür, dass alle dazu gehören. In der Praxis jedoch gibt es da noch einige Vorbehalte - bei den Gemeindegliedern untereinander, gegenüber den Nicht-Gemeindegliedern - allerdings auch von Nicht-Mitgliedern den Gemeindegliedern gegenüber.

Und was sagt Jesus dazu?

Der Evangelist Matthäus zitiert Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Ein viel zitierter Satz. Doch was heißt das? Was heißt das vor allem für uns Christen im Hier und Jetzt? Es ist ein Kernsatz dafür, wie Jesus sich selbst versteht: Er ist besonders für alle da, die es im Leben schwer haben, und möchte ihnen Gutes tun. Heißt das, dass Jesus nur für die Schwachen da ist? Nur für die, die sich selbst nicht helfen können und auf Hilfe angewiesen sind – das darf Jesus dann gerne übernehmen. Alle anderen haben noch zu arbeiten, oder?

Aber mal im Ernst: Sind wir selbst denn immer so uneingeschränkt leistungsfähig, wie wir möchten? Ich denke nicht. Ein jeder und eine jede hat Momente, wo es nicht weiterzugehen scheint. Augenblicke, in denen wir uns krank fühlen oder ausgebrannt. In denen das Gefühl entsteht, ich habe alles gegeben, was in mir ist – ich kann nicht mehr. Gerade dann hat Jesus ein offenes Ohr für uns – hat Gott offene Arme für uns.

„Kommt her zu mir“, sagt Jesus. Nein, er zaubert die Schwierigkeiten nicht weg. Und nein, es ist keine Leistung, die wir erbringen können, daran zu glauben, dass Jesus das Schwere wegnimmt, und dann ist es auch weg.

Mir fallen unzählige Filme ein, in denen jemand vor dem Kreuz kniet und Gott um eine wirklich hörbare Antwort und handfeste Lösung für seine Probleme bittet oder ein Ad-hoc-Wunder erwartet. Sicher, so antwortet Gott mitunter auch. In der Praxis habe ich jedoch eher erfahren, dass mir im Nachhinein ein gangbarer Weg in den Sinn kommt – so könnten wir es versuchen. Oder ich spreche mit einer Person, die mir vorschlägt, die Sache doch mal von einer ganz anderen Warte zu betrachten. Oder ich finde jemanden, der mir einfach zuhört und sagt: „Ja, du hast es schwer…!“ Oder noch anders: Ich gehe auf jemanden zu, der oder die  - meiner Meinung nach – meine Hilfe braucht und stelle fest, eigentlich hat auch mir die Begegnung gutgetan. Ich gebe nicht nur, ich bekomme auch etwas zurück.

Insofern lässt sich die Gemeinde Jesu Christi nicht auf eine bestimmte Gemeindegliederzahl oder auf die tatsächlichen Besucher:innen der Gottesdienste beschränken. Es gehören nicht nur die dazu, die wir kennen. Die Gemeinde Jesu Christi, das sind alle, die des Weges kommen. Gottes Liebe kann durch uns hindurch strömen – so wird ein Schuh draus… Die Gemeinde Jesu Christi, das sind alle, die des Weges kommen. Gottes Liebe kann durch uns hindurch strömen – so wird ein Schuh draus…

Pfarrerin Lieve Van den Ameele


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