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Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal ist das eine Anfechtung: die Vielfalt an Begabungen und Interessen in der Gemeinde ist einerseits schön, andererseits entstehen auch Konkurrenz und Vorbehalte. „Gaben gibt es viele, Liebe vereint“, lesen wir in einem Kirchenlied. Sinn macht Gemeinde nur, wenn wir tatsächlich eine gemeinsame Mitte haben.

In dem schwedischen Kirchenlied „Lågorna är många“ ist von der Vielfalt in der Gemeinde die Rede: „Strahlen brechen viele aus einem Licht (Evangelisches Gesangbuch, 268). In einer weiteren Strophe lesen wir: „Gaben gibt es viele, Liebe vereint.“

Ein schönes Bild für die Vielfalt in der Ökumene wie auch innerhalb der Gemeinde! Unter uns gibt es viele Gaben und auch vielerlei Interessen, und doch gehören wir zusammen. Der Apostel Paulus macht das im Brief an die Korinther (1. Korinther 12) mit dem Bild vom Körper und seinen Gliedern deutlich: „Er stellt eine Einheit dar, die aus vielen Teilen besteht; oder andersherum betrachtet: Er setzt sich aus vielen Teilen zusammen, die alle miteinander ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Genauso ist es bei Christus“ (NGÜ). Zu ihm gehören wir wie die Glieder zum Leib. Passend dazu endet im Lied jede Strophe mit der Feststellung: „Und wir sind eins durch ihn.“

Ja, in Christus sind wir eins und doch ganz verschieden. Sinn macht Gemeinde nur, wenn wir tatsächlich eine gemeinsame Mitte haben. Eine Mitte, auf die wir uns immer wieder verständigen, und auf die wir immer wieder zurückkommen. Dazu gehört es zum Beispiel zu verstehen, wie jemand etwas gemeint hat - und im Zweifelsfall nachzufragen, denn sonst gehe ich von falschen Tatsachen aus und mache mich und andere unglücklich. Kommunikation, miteinander Reden ist lebenswichtig.

Nein, Einheit heißt bestimmt nicht, dass alle dasselbe denken und gar fühlen. Es heißt vielmehr, dass wir auf einem gemeinsamen Grund stehen und auf ein gemeinsames Ziel hinstreben. Wer jedoch meint, dass das Ziel selbstredend ist, der irrt. Besser man vergewissert sich: „Glieder sind es viele, doch nur ein Leib“ - da macht es schon Sinn, sich zu verständigen. Wenn etwa die Füße in unterschiedliche Richtungen wollen, haut das nicht hin, und es gibt Verletzte…

Doch wo und wie verständigt sich Gemeinde? Im Gottesdienst, bei gemeinsamen Veranstaltungen, bei der gemeinsamen Wahrnehmung der Not um uns herum, und immer wieder im Suchen nach einer Antwort auf die Frage: Was würde Jesus dazu sagen? Auch wenn das mühsam und schwierig erscheint, so ist es doch der Heilige Geist, der uns in Christus eint und uns auf das gemeinsame Ziel hinführt. Darauf können wir uns verlassen – wenn wir uns darauf einlassen: „Dienste leben viele aus einem Geist, Geist von Jesus Christus“. 

In diesem Sinne wünsche ich frohe Verständigung! Und bleiben Sie gut behütet!

Ihre Pfarrerin Lieve Van den Ameele


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