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Kirche - was ist das?

Kirche ist zunächst die weltweite Gemeinschaft der Christen, gemeint sein kann auch die Gemeinde vor Ort. Kirche kann natürlich auch ein Gebäude sein oder eine Organisation. Die verfasste Kirche ist ein von Menschen gemachtes Gebilde, welches das christliche Leben und das Zeugnis in der Welt organisiert.

Kirche ist in erster Linie die Kirche Jesu Christi – die weltweite Gemeinschaft der Christen, also derer, die an Jesus Christus glauben und in seiner Nachfolge – auch in ihrem sozialen Kontext – nach dem Evangelium leben wollen. Sodann ist Kirche eine örtliche Gemeinschaft der Getauften, die sich einer Konfession zugehörig fühlen. Die Gemeinde Jesu Christi vor Ort umfasst darüber hinaus auch Sympathisantinnen und Adressaten gemeindlicher Aktivitäten. Sie ist ein Ausschnitt der weltweiten Kirche. In ihr leben und wirken Menschen, die sich der Liebe Gottes bewusst sind und in der Nachfolge Jesu Menschen in Gottes Namen willkommen heißen und so das Reich Gottes im Hier und Jetzt sichtbar werden lassen.

Schließlich ist Kirche auch ein Gebäude, in dem sich die Christen zum Gottesdienst (und mehr) treffen. Die Ausstattung erinnert an Gott und an Jesu Botschaft: ein Kreuz, Kerzen, Glasfenster, Kunstwerke, etc. Der örtlichen Gemeinde ist es zumeist wichtig, diesen Raum der Begegnung mit Gott und miteinander zu widmen. Eine Kirche sollte nach Möglichkeit den aktuellen Bedürfnissen Rechnung tragen und nicht nur als Zeugnis vergangener Jahrhunderte fungieren.

Sodann ist Kirche auch eine Organisation. Die verfasste Kirche ist ein von Menschen gemachtes Gebilde, welches das christliche Leben und das Zeugnis in der Welt organisiert. Die Kirche als Organisation ist (meist) konfessionell definiert und regelt das administrativ Notwendige im Bezug zu Staat und Gesellschaft sowie auch zu ihren Mitgliedern. Je größer die Organisation, je stärker die Tendenz zur Hierarchisierung.

Als von Menschen gemachte Struktur ist Kirche auch immer wieder mit ihrer Fehlbarkeit konfrontiert. Das gilt für Einzelpersonen ebenso wie für die Institution als Ganzes. Das Überleben der Organisation steht in der Praxis oft im krassen Widerspruch zur Souveränität der Gemeinde vor Ort, welche biblisch fundiert und nicht zuletzt im protestantischen Zusammenhang stark verankert ist.

Eine sogenannte Straffung der Organisationsstruktur geht immer wieder auf Kosten der Individuen vonstatten. Seelsorgerliche Bedürfnisse können vermeintlich nicht mehr aufgegriffen werden, weil jetzt weniger Menschen für das Ganze stehen und bestimmen, was läuft. Hier steht Kirche als Organisation in der Gefahr, sich selbst obsolet zu machen. Die Ausgestaltung des gottesdienstlichen Geschehens und der anderen Angebote sollte sich nach den aktuell bestehenden Bedürfnissen richten und nicht danach, was die Organisationsstruktur für „gültig“ und machbar hält.

Ja, unsere katholischen Geschwister machen es uns vor, wie die Not der Hauptamtlichen mittels (noch stärker) durchdeklinierter hierarchischer Aufgabenverteilung zu händeln sein soll. Es darf zu Recht gefragt werden, ob die Christenheit damit der Gemeinde Jesu Christi wirklich dient. Immerhin heißt es: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter Ihnen!“ (EG 563 / Matthäus 18,20)

Ihre Pfarrerin Lieve Van den Ameele


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