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Geistliches Wort

Gut Ding will Weile haben

Im Leben der Gemeinde scheint sich mitunter kaum was zu rühren. Doch das will nichts heißen! Neue Ideen werden geboren, der Keim für die Zukunft wird gelegt. Das Zauberwort ist „Liebe“, denn „Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün“. Kleine zarte Pflänzchen tun sich auf.

Das Passionslied „Korn, das in die Erde“ von 1978 nach einem Text aus dem Jahr 1928 und einer Melodie aus dem 15. Jahrhundert spricht eine andere Sprache als die altbekannten Passionslieder, die oft von einer drastischen Anschaulichkeit geprägt sind. „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.“ Hier ist die Schöpfung selbst am Werk.

Wir alle kennen den Vorgang: Ein Samenkorn landet in der Erde, und dann ist erst mal Pause. Das Korn ruht – scheinbar, denn nicht lange danach erscheinen kleine Fäden, die zu Wurzeln werden. Die Inhaltsstoffe des Korns werden zur Nahrung für das Keimen. Aus der Ruhe heraus wächst neues Leben heran. Und ja: „Liebe lebt auf, die längst erstorben schien“, heißt es weiter.

Im Leben der Gemeinde scheint sich mitunter kaum was zu rühren. Doch das will nichts heißen! Neue Ideen werden geboren, der Keim für die Zukunft wird gelegt. Das Zauberwort ist „Liebe“, denn „Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün“. Kleine zarte Pflänzchen  - nicht zuletzt im Miteinander – tun sich auf.

Dieser Tage ist mir aufgefallen, dass ich mittlerweile schon sechs Jahre hier bin. So lange hat es mitunter gebraucht, einander kennenzulernen. Und ja, gut Ding will Weile haben.

„Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.“ Nicht immer ist Liebe das erste Zeichen von Leben in der Gemeinde. Einzelbedürfnisse, Unverständnis angesichts der Nöte anderer, Angst, nicht (mehr) Anteil haben zu können, Sorge, nicht mit den neueren Entwicklungen mitzukommen. Eine Explosion von Kosten steht oft geringeren Einnahmen gegenüber. Auch die zunehmenden Regulierungen von kirchlichem Handeln durch Steuer- und Verwaltungsgesetze macht, dass nicht mehr alles möglich ist, was noch vor Jahren selbstverständlich war. In der Zwischenzeit sieht es nach Stagnation aus. „Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?“ Doch „Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Geduld - gut Ding will Weile haben.

So viel Leid, so viel Elend in der Welt, alle Bilder des Schreckens wollen uns weismachen, dass alles abgestorben ist. Und doch hält dieses Lied einen Keim der Hoffnung wach.

„Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn.“ Ja manchmal erscheint fast alles verlorene Liebesmüh, und tausend Mal erklären bringt uns auch nicht weiter. Es bleibt nicht beim Gegeneinander, wir lernen, wie es miteinander geht. „Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien.“ In der Tat, gut Ding will Weile haben.

Ja: „Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“ Vom Weizen wissen wir, dass es zwar seine Zeit braucht, bis er goldgelb den Kopf zur Sonne streckt, aber der jährliche Zyklus von Saat und Ernte birgt Hoffnung. Doch – wie gesagt – gut Ding will Weile haben.

Jetzt – mitten in der Passionszeit – leben wir auf die Karwoche und auf Ostern hin. Zeit zum Nachdenken: Jesus Christus, unser Freund und Bruder, Mensch wie wir Menschen, wurde für Liebe und Güte gekreuzigt aus Angst und Hass – das ist die Realität dieser Welt. Von Jesus wissen wir, dass er wieder aufstand vom Tode. Ein Aufstand für die Hoffnung, ein Aufstand für das Leben. Liebe wächst wie Weizen – und ihr Halm ist grün. Gut Ding will Weile haben!

Pfarrerin Lieve Van den Ameele


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