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Ich glaube...

Glauben heißt: handeln und hoffen gegen den Ungeist der Zeit. Auf Gott vertrauen, wenn Regierungen und Börsenkurse versagen. Sicherlich bin ich eine unverbesserliche Optimistin – doch wie schon Paulus betonte: Nur Glaube, Hoffnung und Liebe können der Depression unserer Zeit etwas entgegensetzen (1. Korintherbrief 13,13).

Gottes Liebe durch mein Handeln in die Welt hineintragen und Gottes herzliches Willkommen weitergeben, dazu fordert der Glaube mich auf. Es ist nicht so, dass mir das jeden Tag gleichermaßen gelingt. Der Glaube jedoch erinnert mich immer wieder daran, dass es das ist, worauf es ankommt. Klar ist das anstrengend, klar frage ich mich manchmal, wozu das alles gut sein soll? Wenn ich Nachrichten schaue, wenn ich höre vom Leid der Menschen, dann möchte ich weinen vor Verzweiflung! Mein ganzes Sein als Mensch und als Christin ruft: „Nein! So soll es doch nicht sein!“

Wer Gottes Gnade erfahren hat, kann nicht mehr anders, als Gutes tun und davon weitergeben, sagt Luther sinngemäß.

Glauben heißt: wissen, es tagt; hell wird es, wenn man es wagt, alte Gewohnheiten abzulegen und neue Schritte zu riskieren. In Gottes Namen - fangen wir an! Es gibt Hoffnung für die vom Burnout geplagte Welt! Nicht stehen bleiben an einem schmerzlichen Punkt in der Vergangenheit, sondern die Geschichte weiterschreiben! Denn - sind wir auch Sünder - wir werden niemals ohne Hoffnung sein.

Und wenn mich mal der Mut oder die Kraft zu verlassen droht, dann ist es Zeit, aufzutanken. Auftanken zum Beispiel und nicht zuletzt im Gottesdienst, im Lesen oder Hören von Gottes Wort – allein oder gemeinsam mit anderen, in der Gemeinschaft der Glaubenden, beim Abendmahl - oder auch mal beim fröhlichen Grillfest. Glauben heißt, der Hoffnung Gesicht zu geben.

Pfarrerin Lieve Van den Ameele

... hilf meinem Unglauben

Für nicht wenige ist Glauben eine Art Rechtschreibung: Wenn ich die Regeln nicht beachte, sind das Fehler; wenn ich also nicht an die Jungfrauen-Geburt glaube oder hier und da Zweifel hege, an der Auferstehung etwa, dann glaube ich nicht richtig. Glauben ist für diese Menschen eine Sammlung von Wahrheiten. Gut bin ich, wenn ich sie alle abhaken kann, ansonsten gehöre ich nicht wirklich zur Gemeinschaft der Gläubigen.
Es sind bei weitem nicht nur pietistische Kreise, die so gestrickt sind. Viele Kinder der Aufklärung und naturwissenschaftlich denkende Menschen sehen einen Mangel darin, nicht “strenggläubig” zu sein, und ziehen daraus den fatalen Schluss, ihrer Kirche den Rücken zuzukehren.

Das ist aber gar nicht nötig, denn es ist ja eine Tatsache, dass Menschen Rechtschreibfehler machen, ohne dass man sagen müsste, sie könnten nicht schreiben. Schwierig wird es erst, wenn das, was sie ausdrücken wollen, nicht rüberkommt, wenn die Kommunikation nicht klappt. Mit dem Glauben ist es ähnlich. In der Gemeinschaft der Gläubigen haben wohl die meisten Menschen diesbezüglich irgendwo ein Defizit; ihre Zugehörigkeit stellt das aber nicht prinzipiell in Frage.

Wie ein Auto erst dann einen Abhang hinunterkippt, wenn das Schwergewicht über dem Bodenlosen liegt, so wird es kritisch, wenn der Glaube zu leicht wird, wenn ihm also seine gewichtigsten Teile fehlen, und zwar vom jüdischen Bekenntnis her die Überzeugung, dass es nur einen Gott gibt, einen, der unser Gott ist, indem er für uns da ist, und vom Neuen Testament her das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohn Gottes, der die Maßstäbe unseres Denkens verkörpert. Aus der Gemeinschaft der Gläubigen fällt hinaus, wer anderswo seine Prinzipien findet, wer also zum Beispiel behauptet, auf dem Boden des Christentums zu stehen, dabei aber das Bekenntnis zu Volk oder Rasse oder einer Führerperson höher einschätzt und dadurch das Wort Gottes untergräbt oder verfälscht. Wo rote Linien überschritten werden, ist Distanz angezeigt - aber auch das Bemühen, die gekippten Brüder und Schwestern zurückzugewinnen.

Wilfried Steller

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